Warum ich oft das größere Stück nehme

von | Apr 13, 2013 | Kiki schreibt, mit 40... | 0 Kommentare

In einer großen Familie aufzuwachsen hat Vorteile, das ist allgemein bekannt. Sehr früh konnte ich lernen, meine Spielsachen zu teilen, mit meinen Geschwistern in einem Zimmer zu wohnen. Erst der Bruder, dann die Schwester. Ich durfte lernen, andere Definitionen von Ordnung zu akzeptieren. Wobei das Akzeptieren mir nicht leicht gefallen ist. Ganz ehrlich. Ich habe sie eher zur Kenntnis genommen. Geteilt wurde auch beim Essen. Um es gleich vorweg zu nehmen: wir wurden immer alle satt. Keiner musste Hunger leiden oder ist vom Fleisch gefallen. Es war immer genug da an Kartoffeln und Brot. Anders wurde es gehandhabt, wenn beipielsweise Fischstäbchen auf dem Tisch standen (nebenbei: heute kann ich die nicht mehr sehen…). Eine 20er Packung wurde durch fünf geteilt. Gab dann für jeden vier Stück. Satt essen durften wir uns an Kartoffeln. Oder Pommes mit Würstchen: sehr penibel wurde darauf geachtet, dass niemend mehr hat als der andere. Und wenn man doch mal in die glückliche Lage kam und der eigene Pommesberg größer schien als der des Bruders oder der Schwester, schwieg man und genoss. Ich erinnere mich auch daran, dass ich zu einem Mittagessen einen Pudding anrühren sollte – ob es sich um die berühmte „Paradiescreme“ gehandelt hat oder um eine andere Marke, kann ich an dieser Stelle nicht mehr sagen. Diesen habe ich während des Anrührens nahezu leer probiert. Für die Familie blieb ein kleiner Rest übrig, von dem ich nach dem Essen nichts mehr bekommen habe.

Vor einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass ich, wenn ich Essen auf meinen lieben Mann und mich verteile, immer ein bisschen darauf achte, dass mein Stück nicht zu klein ist. Vielleicht ein bisschen größer als das von Rainer oder wenn nicht das, nur ein kleines bisschen kleiner als seins. Nicht dass mein Hunger immer sehr viel größer ist als seiner, aber inzwishen glaube ich, dass ich einiges nachzuholen habe.

©KS2013

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