Tour gen Ruhr

von | Apr 11, 2018 | ohneumweg-unterwegs | 0 Kommentare

Der Artikel enthält unbezahlte Werbung, da Namen genannt werden.

Freitag

Das Wetter und die Wettervorhersage in den Tagen vor den Ferien bereiten uns Kopf- und Bauchschmerzen. Vor lauter Schreck wird Rainer wieder von einer recht starken Erkältung und am Abend vor der Abreise von einer Magenverstimmung heimgesucht. In den letzten Jahren war es aber meistens so, dass die Wetterfrösche häufig ihre Versprechen nicht gehalten haben und wir positiv überrascht wurden. Hoffen wir für diese Ferien das Beste!

Wir haben mit Komoot eine Tour von etwa 270 Kilometern geplant, die uns über den Westrand des Bergischen Landes nach Essen an den Baldeneysee führen wird und auf der anderen Seite des Rheins wieder zurück nach Bonn.

Wir starten am Karfreitag kurz nach elf Uhr bei superschönem Wetter: Sonnenschein. Unsere Route führt und heute nach Bensberg. Die Entfernung mit dem Rad beträgt knapp 50 km. Gleich zu Beginn halten wir uns nicht an unser Navi, weil auf der Strecke zur Mondorfer Fähre unter Autobahnbrücke eine Baustelle ist. Wir überqueren den Rhein also über die Kennedybrücke an der Bonner Oper und fahren schon jetzt auf die Schäl Sick. Unsere Tour geht von Beuel zunächst nach Bergheim (Troisdorf), Mondorf, Niederkassel und Köln-Porz. Mal am Rhein entlang, mal kürzen wir über Felder ein bisschen ab. Die Sonne ist nahezu den ganzen Weg unsere Begleiterin.

Die erste Bergwertung geben wir uns im Königsforst beim Erfahren des Gipfels des Monte Tröödelöh. Hier machen wir unsere erste größere Pause und haben Gesellschaft von einem weiteren Radler, der uns und unser Gespann schon recht herausfordend findet. Ist es auch! Mit Hänger fahren ist schon eine Umstellung, jetzt kommt noch das Gepäck dazu. Da dauert es schon eine Weile, bis das Rad auf Touren ist. Wenn es aber rollt, dann rollt es.

Unser Ziel in Bensberg ist zunächst das Schloss, das hoch oben über der Stadt thront und ein Hotel beherbergt. Unsere Unterkunft befindet sich im Ortsteil Moitzfeld. Auch der liegt auf einem Berg, aber nicht auf dem Schlossberg… Das Airbnb finden wir in Bensberg-Moitzfeld sofort und sind sehr angenehm überrascht. Das Appartement ist liebevoll eingerichtet und sehr sauber und ordentlich. Sogar Pauli wird auf der Begrüßungskarte erwähnt und in dem für ihn bereitgestellten Napf sind ein paar Kekse für ihn hinterlegt.

Pauli ist von unserer Tour auch sehr angestrengt und macht nach der ersten Inspektion unseres Zimmers erstmal ein kleines Nickerchen.

Unser Abendessen nehmen in dem scheinbar ersten Haus am Platze „Gaffel im Lindenhof“ ein. Wir hatten schon ein bisschen Sorge, dass wir am Karfreitag kein Restaurant finden und wir uns mit irgendwelchen Sandwiches von der Tankstelle zufrieden geben müssen. Aber weit gefehlt, wir essen sogar richtig gut!

Wichtige Eckdaten: 3:31 h – 47,2 km – 13,4 km/h – bergauf 330 m – bergab 190 m

(Kartenausschnitt aus meinem Komoot-Account)

Samstag

Für unseren 11. Hochzeitstag haben wir uns eine Etappe mit einem ganz besonderen Schmankerl ausgedacht. Von Bensberg fahren wir durch Bergisch-Gladbach zum Altenberger Dom. Seinen Beginn hat der Dom im 12. Jahrhundert. 1133 wurde er als Abtei Altenberg errichtet. Seit 1857 wird er von der evangelischen und katholischen Kirche genutzt. Hier machen wir unsere erste kleine Pause. Auf dem Gelände ist nicht viel los und wir stellen unsere voll beladenen Fahrräder einfach ab und sehen uns ein bisschen um.

Von hier geht es weiter über Blecher nach Burscheid. Die Strecke hat es in sich. Es geht 1400 Meter mit einer Steigung von 6-7% nur bergauf. Die anerkennenden Blicke der entgegen kommenden Autos lassen mich nicht absteigen und ich bin froh, dass wir diesen Teil schon in der ersten Hälfte hinter uns bringen können. In Leichlingen stärken wir uns mit eiskalten Spaghettis.

Unser Ziel, das „Waldhotel Unterbach“ erreichen wir gegen 15.30 Uhr nach 48 Kilometern. Die Unterkunft ist in Ordnung, hat alles was man braucht, aber mehr auch nicht. Damit unser Hund keine Treppen steigen muss, bekommen wir ein Zimmer, das direkt von der Terrasse aus zu begehen ist. Neben dem Eingang können wir auch unsere Räder anschließen. Das Waldhotel Unterbach liegt direkt an einem Naturschutzgebiet, das wir auch schon kurz nach unserer Ankunft mit Pauli erkunden. In Düsseldorf-Eller finden wir ein griechisches Restaurant, in dem wir hervorragend speisen.

Wichtige Eckdaten: 3:44 h – 48,2 km – 12,9 km/h – bergauf 340 m – bergab 500 m

(Kartenausschnitt aus meinem Komoot-Account)

Sonntag und Montag

Da hält die Wettervorhersage genau das, was sie verspricht: Regen an Ostersonntag. Das wird der Test für unsere Packtaschen. Nach einem durchschnittlichen Frühstück, das sein Geld echt nicht wert gewesen ist, machen wir uns in einem Regenloch in voller Regenmontur auf den Weg. Die Strecke haben wir wegen des Wetters am Abend vorher ein bisschen umgeplant. Nicht ganz so viele Steigungen soll es geben. Nach recht kurzer Zeit nach dem Start legen wir eine kleine Geländeeinlage mit massiver Bergwertung ein. Beim Umplanen habe ich das leider nicht beachtet. Wir tauschen die Räder. Ich schaffe es nicht, das Rad mit Gepäck und Hänger durch den Matsch bergauf zu schieben. Später sehen wir, dass die Steigung an dieser Stelle 13% beträgt. Nicht schlecht! Gut ist, dass es nicht in einer Tour regnet und auch nicht gleich stark. Mal bekommen wir nur ein paar Tröpfchen ab, mal einen stärkeren Schauer und mal auch gar nichts. Die Strecke selbst ist sehr schön. Wir fahren sehr viel über gute Feldwege und durch kleine Wohngebiete. Kurz vor dem Ziel führt uns der Weg an der Ruhr entlang, wo wie lediglich den dort lebenden Gänsen und deren Hinterlassenschaften ausweichen müssen. Ich bezeichne diese Strecke als die schönste bisher.

Irgendwie werde ich heute an meine große Fahrradtour mit meinem Bruder Gunter erinnert. Wir sind 1994 durch Irland geradelt und gefühlt jeden Tag nass in einem Hostel angekommen. Aber das ist einen anderen Artikel wert.

Viel zu früh für den normalen Check-in kommen wir in Essen-Fischlaken oberhalb des Baldeneysees an. Das letzte Stück hat es wieder in sich. Nach einem zweiten Fußmarsch an diesem Tag können wir die Airbnb-Wohnung nach 31 Kilometern aber jetzt schon beziehen. Sogar für unsere Fahrräder gibt es einen trockenen und abschließbaren Ort. Jetzt weiß ich auch, warum wir eigene Handtücher mitgenommen haben. Wir können so unsere Taschen abtrocknen und von Schlammspritzern befreien. Den Wassertest haben sie aber bestanden. Absolut wasserdicht! Auch Paulis Hänger hat es ganz schön erwischt. Der ist natürlich nicht wasserdicht und das Fahren durch die vielen Pfützen hat sein Übriges getan. Zum Glück läuft die Heizung in der kleinen Wohnung.

Wichtige Eckdaten: 2:41 h – 31,2 km – 11,7 km/h – bergauf 340 m – bergab 240 m

(Kartenausschnitt aus meinem Komoot-Account)

Der nächste Tag ist radelfrei. Die Pause nach gut 130 Kilometern tut gut. Die Sonne scheint wieder, der Regen hat aufgehört, es ist aber noch ein bisschen frisch. Generell haben wir aber gut abgeschnitten, wenn man bedenkt, dass Teile Mecklenburg-Vorpommerns gerade im Schnee ❄ zu versinken scheinen.

Nach dem Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Werden. Wir wollen uns dort ein wenig umsehen: nett und beschaulich. An der Ruhr wenden wir uns nach Osten und kommen an die Staustufe, die den Baldeneysee erzeugt. Wir überqueren diese und haben einen Blick durch die noch unbelaubten Bäume auf die Villa Hügel. Nach vielen Mühen, einigem Hin und Her und einem schönen Spaziergang durch den Kruppwald stehen wir schließlich vor einem der Tore zum Villenpark, durch das man das Gelände betreten könnte. Hier erfahren wir das, was wir auch im Internet hätten nachlesen können: Hunde dürfen nicht in den Park. Etwas enttäuscht drehen wir um und gehen durch die Siedlung Brandenbusch in Richtung einer Buslinie. Diese Siedlung wurde von F.A. Krupp Ende des 19. Jahrhunderts für sein Personal gebaut. Die Straßennamen ließ er nach den Kindern der Großfamilie benennen. Die Siedlung ließ quasi keine Wünsche offen, es war alles vorhanden: Kirche, Wäscherei, Spritzenhaus und Räucherkammer.

Die Buslinie finden wir, können uns aber noch nicht zum Einsteigen bewegen. An einer großen Kreuzung sehen wir einen Straßennamen, der mir aus Rüttenscheid bekannt ist. Die Hoffnung steigt, dass wir hier ein kleines Café finden. Es geht immer bergab und nach etwa zwei weiteren Kilometern finden wir die Oliv Panetteria, wo wir sogar draußen sitzen können. Insgesamt haben wir jetzt zwölf Kilometer auf dem Buckel und beschließen, mit Bus und Bahn den Rückweg zu bestreiten.

Dienstag

Heute fahren wir einen Teil der Strecke, die wir eigentlich am Sonntag fahren wollten (Sonntag sind wir die für heute geplante Strecke in die Gegenrichtung gefahren). Es ist heute so warm, dass sogar Rainer nur seine Windweste über seiner Fleecejacke trägt. Bei schönem Sonnenschein radeln wir in Fischlaken los und es geht erst einmal  ein kleines Stück die Bundesstraße hinauf aus der Stadt heraus. Mir war echt nicht bewusst, dass Essen so bergig ist. Wieder was gelernt und am eigenen Leib erfahren (im wahrsten Sinne des Wortes). Danach geht es teilweise sehr intensiv bergauf und bergab über kleine Straßen, die rechts und links meistens von Feldern, Höfen und kleinen Siedlungen gesäumt werden. Ab und zu tröpfelt es ein bisschen. Viel schneller als gedacht kommen wir in Ratingen an. In unsere Unterkunft können wir erst ab 18 Uhr und so vertreiben wir uns die Zeit in der kleinen Innenstadt mit Radler, Kuchen, Kaffee, belegten Brötchen und leichtem Shopping. Wir trauen uns nicht, die voll bepackten Räder unbeaufsichtigt vor Geschäften stehen zu lassen. Sogar für Pauli finden wir einen Laden, in dem er sich ein paar Leckereien aussuchen darf.

Unsere Airbnb-Unterkunft befindet sich im Westen von Ratingen. Von unserem Balkon im sechsten Stock eines elfstöckigen Hochhauses aus können wir den Flughafen sehen – zumindest den Tower und startende und landende Flugzeuge. Das Appartement ist persönlich und zweckmäßig eingerichtet. Sogar für unsere Fahrräder finden wir einen geeigneten Stellplatz (mit dem Vermieter abgesprochen!).   Pauli macht seine ersten Hochhauserfahrungen. Er darf lernen, dass über einen Flur viele Menschen gehen und dass  die ihm und uns nichts wollen.

Wichtige Eckdaten: 2:03 h – 23,2 km – 11,3 km/h – bergauf 280 m – bergab 350 m

(Kartenausschnitt aus meinem Komootaccount)

Mittwoch

Es regnet leicht und es hat abgekühlt. Vor uns liegt eine recht kurze und die ebenste Strecke unserer Tour. Zuvor heißt es aber erstmal die Räder wieder die sechs Stockwerke hinuntertragen und das gesamte Gepäck im Aufzug stapeln und runter fahren. Gegen elf Uhr ist dieses Werk aber vollbracht und wir können Richtung Mönchengladbach aufbrechen. Der Regen hat aufgehört und wird sich während unserer Tour auch nicht mehr zeigen. Die Strecke heute hat keine nennenswerten Steigungen, ist aber dafür auch sehr stadtlastig und wirklich nicht besonders schön. Nach den ersten paar Kilometern stoppen wir an einem Bäcker, um zu frühstücken. Wir befinden uns bereits in Düsseldorf, unserer Landeshauptstadt. Anfangs haben wir den Verdacht, dass hier an Radwegen gespart wird, später wird uns aber deutlich, dass lediglich an Schildern, die diese ausweisen gespart wird. Tolle Idee… Den Rhein überqueren wir mithilfe der Theodor-Heuss-Brücke, fahren durch Neuss und dann aufs Land hinaus.

Nach etwa 30 Kilometern kommen wir in Korschenbroich an. Wenn sich jetzt jemand fragt, warum Korschenbroich? Auf die Frage gibt es eine ganz einfache Antwort: Etappenlänge. Die Unterkunft liegt in einem kleinen Industriegebiet. Nicht das schönste Umfeld, aber unser Zimmer ist gemütlich. Das reicht uns.

Wichtige Eckdaten: 2:24 h – 29,5 km – 12,3 km/h – bergauf 80 m – bergab 80 m

(Kartenausschnitt aus meinem Komootaccount)

Donnerstag

Wir nähern uns wieder der Heimat. Unsere heutige Tour umfasst wieder nur relativ wenige Kilometer und führt uns über landschaftlich sehr schöne Strecken. Begleitet werden wir allerdings hin und wieder von Regenschauern und von recht starkem Wind, der uns relativ langsam sein lässt. Die Geschwindigkeit nimmt uns auch ein recht matschiger Weg entlang des Erftkanals. Gegen 15 Uhr und nach 36 Kilometern kommen wir glücklich in Bergheim an. Wir beziehen ein sehr schönes Doppelzimmer und dürfen unsere Räder netterweise neben der Rezeption im Haus unterstellen.

Unser Abendessen nehmen wir in dem „Brauhaus Krone“ zu uns. Sehr lecker. Pauli hat die Kellnerin so begeistert, dass er ein Stück Schnitzel bekommen hat.

Wichtige Eckdaten: 3:08 h – 35,9 km – 11,5 km/h – bergauf 120 m – bergab 110 m

(Kartenausschnitt aus meinem Komootaccount)

Freitag

Der schönste Tag unserer Reise – von der Sonnenintensität her gesehen. Morgens ist es noch recht frisch, auch noch, als wir gegen elf Uhr in Bergheim nach einem guten Frühstück aufbrechen. Zunächst geht es lange an der Erft beziehungsweise am Erftkanal entlang. Heute radeln wir hier auf einem befestigen Weg, der uns nicht so häufig ins Schlingern kommen lässt. Von Frechen bis Brühl ist die Strecke etwas industrielastig. Durchs Vorgebirge radeln wir über den einen oder anderen Gemüseweg. Unser ständiger Begleiter auf den insgesamt 52 Kilometern ist ein recht stärker Wind aus Süd-Ost. Diese Windrichtung kommt eigentlich kaum vor, aber dafür heute den gesamten Tag. Anstrengend! Wie gerne hätte ich gegen eine Steigung eingetauscht… In Brühl machen wir am Bahnhof eine kleine Pause, setzen uns dort in das Brauhaus und trinken, was wir sind.

Wichtige Eckdaten: 4:14 h – 52 km – 12,3 km/h – bergauf 190 m – bergab 190 m

(Kartenausschnitt aus meinem Komootaccount)

Als besonders schön können wir festhalten: 

Wir sind bewahrt worden! Wir hatten noch nicht einmal eine kleine Panne. Dafür sind wir sehr dankbar!

Urlaub kann auch ohne Wohnmobil stattfinden.

Die Unterkünfte, die wir gebucht haben waren alle (bis auf eine Ausnahme) super gepflegt, sauber und liebevoll bzw. sehr gut eingerichtet.

In Paulis Hänger spukt es nicht! Für den kleinen Mann war es selbstverständlich, dass er sich des nachts dort aufhält.

Das war schade: 

Wir haben eine recht gutes Radwegenetz in NRW – zumindest in den Teilen, in den wir gefahren sind. Leider fehlt es oft an durchdachten Details. Da endet der Radweg zum Beispiel an einem hohen Bordstein und man kommt mit dem Rad nur ordentlich hinunter, wenn man es schiebt. Oder die Verbindungen von einem zum anderen Radweg sind häufig nur sehr umständlich zu erreichen. Sehr oft sieht man aber einfach auch nur dieses Schild:

Man muss immer auf das nächste Schlagloch oder die nächste Wurzel achten. Fährt man dann noch mit Hänger und Gepäck, macht es das doppelt oder dreifach schwer.

Es bestehen keine Kooperationen mit den genannten Restaurants, mit den Unterkünften oder Komoot. Durch die Nennung oder Verlinkung entstehen uns keine Vorteile. 

©KS2018

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