Runkelrübe contra Kürbis

von | Nov 2, 2012 | Kiki schreibt, mit 40... | 1 Kommentar

Eben komme ich von der Autobahn. Vor mir fuhr einige Zeit ein Laster voll geladen mit Runkelrüben. Während ich ihm einige Zeit folgte, tauchte ein Bild vor meinem inneren Auge auf und ich erinnerte mich an eine Szene, die inzwischen fast dreißig Jahre zurückliegen muss. Es war kurz vor Sankt Martin und wir bereiteten uns auf den alljährlichen Umzug vor. Die kleinen Kinder meines Dorfes folgten an der hand ihrer Eltern leise singend dem laut schmetternden dörflichen Musikverein und dem Heiligen Sankt Martin auf seinem Pferd. Die größeren Kinder, zu denen ich zweifelsfrei gehörte, folgten ebenfalls der Musik und dem Pferd. Aber sie sangen nicht. Noch nicht einmal leise oder in ihrem Herzen. Wir hatten nur den Martinsweck am Ende der Veranstaltung im Kopf. Uns war das Laternengehen eher peinlich. Verständlich. Hätte ich da nicht irgendwo gesehen, dass man auch Kürbisse als Laterne nutzen konnte. Ein solcher war kunstvoll geschnitzt und zuvor ausgehöhlt worden. Das konnte ich auch! Meine Überzeugung. Und überhaupt wäre es sicherlich super cool mit einem Kürbis den Sankt Martinszug mit zu gehen. Alle würden mich und meinen Kürbis bewundern und staunen. In meinem Kopf entstand ein wunderbar geschnitzter Kürbis. Leider war die Zeit noch nicht reif für Halloween und dessen Auswüchse und deswegen war es in unserem Dorf wirklich nicht leicht, einen geeigneten Kürbis zu bekommen. Meine Mutter erkundigte sich bei unserem Milchbauern und hatte keinen Erfolg. Ihr wurde stattdessen eine Runkelrübe angeboten. Dieser Herausforderung fühlte ich mich gewachsen und begann mein Werk. Dass eine Rübe lange nicht so gut zu bearbeiten ist, wie ein Kürbis, sollte ich schnell merken. Auch wenn ich den Vergleich nicht habe und er mir noch Jahre danach nicht gegönnt war (das Interesse verflog dann doch irgendwann…). Also, das Aushöhlen begann und es entpuppte sich schier als Kampf. Dieses Runkelrübenzeug war nicht ohne. Auch mein Vater, der sonst für sämtliches Handwerk gut zu haben war, springt auf den Zug nicht auf – dabei hatte ich schon damit gerechnet, dass ich ihm das Werk abtreten kann. Schließlich konnte ich eine kleine Höhle graben – anders konnte man es nicht nennen. Auf das kunstvolle Schnitzwerk musste ich verzichten. Es war kein Durchkommen. Das Teelicht im Innenraum hatte nicht genug Sauerstoff, um eine schöne Flamme zu bilden und so war mein Anteil am Sankt Martinszug eher mager. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich das Ding – nennen wir es mal so – wirklich den gesamten Weg getragen habe oder ob es mir bald zu peinlich war. Ich glaube, mein Bruder schleppte auch eine Rübe, aber auch das scheine ich verdrängt zu haben. Ein dunkles Geheimnis meiner Kindheit wird weiter in der Dunkelheit verweilen. Ich glaube, es war auch mein letzter Umzug mit dem Heiligen. Die Wecken habe ich mir dann so gekauft. Der Preis war einfach zu hoch.

©KS2012

1 Kommentar

  1. Ja, ich hatte damals eine Runkelrübe in der Schule ausgehöhlt und ausgeschnitzt. War eine mittelschwere Arbeit, das Tragen beim Martinszug allerdings war noch schwerer.

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