Routine

von | Aug 10, 2015 | Kiki schreibt, mit 40... | 0 Kommentare

Mein Leben besteht aus vielen routinierten Abläufen. Das ist wichtig, denn wenn ich jeden Morgen neu überlegen müsste, würde ich nicht aus dem Haus kommen. Mein Morgen – wenn ich zur Arbeit muss – läuft so ab: Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Ich stehe dann ziemlich zügig auf, ohne die Schlummerfunktion zu nutzen. Mir bringt diese Funktion nichts, das habe ich im Laufe der Zeit festgestellt. Der Wecker klingelt also und ich gehe schnurstraks zum Kleiderschrank und nehme die Kleidung für den Tag hinaus. Im Laufe der Zeit hat sie herausgestellt, dass sich das, was ich an einem Tag tragen möchte, noch über Nacht entwickeln muss. Anschließend geht es auf Toilette. Ich erleichtere mich und danach nehme ich meine Schildkrötentablette, damit ich nicht aus dem Rahmen falle. Jetzt geht es in die Küche: Müsli einweichen und Kaffee vorbereiten. Dann unter die Dusche und wieder in die Küche. Proviant für meinen lieben Mann und mich für den Tag vorbereiten und den Kaffee vollenden. Wir sind auf eine French-Press-Maschine mit separater Kaffeemühle umgestiegen. Das Kaffeekochen ist wieder eine kleine Zeremonie geworden. Kann aber neben dem Broteschmieren ohne weiteres parallel stattfinden. In der Zwischenzeit ist Pauli aufgestanden – geweckt worden – und begrüßt mich kurz. Sehr kurz. Man ist noch müde. Erst wenn dies alles erledigt ist, kann ich mich an den Tisch setzen, frühstücken und mich auf den Tag vorbereiten. Fünfzig Minuten nach dem Aufstehen begebe ich mich wieder ins Bad, komplettiere meine Frisur und mein sonstiges Aussehen. Schuhe anziehen, Helm und Schlüssel nehmen und das Haus verlassen. Das ist der normale Ablauf, die Routine. Aber es gibt viele Bruchstellen an einem solchen Morgen. Zum Beispiel vergesse ich ab und zu, ob ich die Schildkrötentablette genommen habe oder ich gehe zweimal in die Küche. Einmal zum Müsli einweichen und dann noch einmal, um den Kaffee vorzubereiten. Oder ich vergesse meine über Nacht entwickelte Kleidung für den Tag und muss noch einmal ins Schlafzimmer – mit Licht, versteht sich. Das würde entfallen, wenn wir ein Ankleidezimmer hätten. Manchmal vergesse ich auch meine Brille. Wie sich herausgestellt hat, sind an das Tragen der Brille noch andere Handlungen geknüpft. Um meine Brille noch holen zu können, kann ich auf keinen Fall den Haustürschlüssel nutzen, um wieder ins Haus zu kommen, obwohl der sich in meiner Hand befindet. Die Verknüpfung gibt vor, dass ich klingeln muss. Dieses Klingeln hat weitere Folgen: Es ist nämlich ein solcher Tag, an dem Rainer zu Hause arbeitet, Pauli länger schlafen kann und ich keine Brote für ihn – meinen Rainer – schmieren musste. Mein Klingeln beendet Paulis Schlaf auf der Stelle und damit auch Rainers Zeit für sich und seine Rechner. Es tut mir unheimlich leid, kann es jetzt aber nicht mehr ändern. Eine Blockade, eine Änderung der Routine. Manchmal sind komische Sachen in meinem Kopf miteinander verknüpft.

©KS2015

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