Noch ein Coronageburtstag

von | Mai 2, 2020 | ohneumweg-unterwegs | 0 Kommentare

Der Artikel enthält unbezahlte Werbung, da Namen genannt werden.

Heute bin ich dran! Ich habe Geburtstag und es ist ein ganz besonderer Geburtstag. Er ist, wie der von meiner Kiki, von dem schönen Wort eigentlich geprägt. Schon an ihrem Geburtstag wären wir eigentlich mit unserem neuen Kastenwagen, dem Strada, unterwegs gewesen. Wahrscheinlich an der Nordsee. Da war ich bisher in meinem Leben nur einmal und es hat mir gefallen. Wir wären bestimmt wieder viel Fahrrad gefahren – ich wäre gefahren worden. hätten draußen gesessen und draußen gegessen. Hätten in unserem Wohnmobil geschlafen und gekocht, ja, gelebt. Eigentlich wären wir auch abends in ein Restaurant gegangen. Eigentlich… Ein Wort, ein Partikel, das in den letzten Wochen wohl häufiger genutzt wird. Da ist es fast egal, dass ich heute acht Jahre alt werde… Denn eigentlich wären wir heute wieder mit unserem Strada unterwegs gewesen. Es wäre schon die dritte oder vierte Tour gewesen. Das kann dieser Corona alles gar nicht mehr gut machen, was er hier verbockt! Wir wären das ganze Wochenende eigentlich zu einem Einsatztraining im Westerwald unterwegs gewesen. Einsatzmäßig wäre eine Person verloren gegangen. Und einsatzmäßig hätten wir sie eigentlich mit vielen Hunden gesucht. Ich habe das schon mal gemacht, mich aber echt nicht gut angestellt. Heute wollte ich es eigentlich besser machen. Eigentlich hätte ich ja Anfang April ganz kräftig in einem Seminar dafür trainiert. Karina wäre eigentlich extra wieder aus Österreich dafür gekommen und hätte mich unterstützt.  

Noch nicht einmal meine Großeltern darf ich besuchen. Oder sie mich. Sie gehören zur sogenannten Risikogruppe. Fast alle Großeltern gehören dazu. An meinen Geburtstagen haben wir immer tolle Sachen gemacht: ein Wohnmobil gekauft, getrailt oder Oma und Opa besucht. 

Meine Kiki und mein Rainer haben sich aber trotzdem etwas Schönes für mich ausgedacht, damit der Tag besonders wird. Unvergessen sozusagen. Zwei Tage vor meinem Corona-Geburtstag musste ich mal wieder in die Dusche, damit ich am Geburtstag selbst wunderschön glänze. Man sagt, ich sei sehr schmutzig gewesen. Sehr schmutzig. Nahezu grau. Aber nicht altersgrau, sondern wirklich dreckgrau. Jetzt bin ich wieder seidig-glänzend-weiß und angenehm weich. So sagt man. Meinen Geruch hole ich mir schon wieder!

Am Abend vor meinem Geburtstag musste ich mich dann noch dem Trimmmessser  unterziehen. Das ist für mich nach wie vor keine schöne Erfahrung. Ich mag das einfach nicht! Aber meine Kiki sagt, dass das wirklich bitter nötig gewesen wäre. Sie liegt meistens richtig mit dem, was sie sagt, deswegen lasse ich das jetzt mal so stehen. Eigentlich finde ich mich ganz schön, so wie ich bin – und das sage ich ganz ohne Corona: Eigentlich!!! Zumindest ein bisschen bin ich getrimmt worden. Dünn drüber sozusagen. Da war schon mal mehr drin. Aber für jetzt ist es erstmal gut so! 

Bescherung!

Wenn ihr jetzt denkt, dass ich nicht glücklich bin, irrt ihr euch. Ich kann es nur nicht aushalten, solange auf die Wurst zu gucken. Die haben mit noch ein Geburtstagslied gesungen. In der Zeit lag die Wurst mit all ihren Düften vor mir. Geflügelwiener! Außerdem gab es noch Hirschstreifen. Aber die sind verpackt. Und im Hintergrund ein Holzherz mit meinem Namen. Das gibt es, weil heute ja auch der 1. Mai ist. Normalerweise hängen die Herzen ja an Bäumen. Einen Baum habe ich nicht bekommen. Nur das Herz. Wahrscheinlich wegen der Angst, dass ich den Baum als Klo benutze. In unserem Instagram-Account könnt ihr das Herz richtig sehen!

Irgendwann ist das Lied dann auch mal zu Ende gesungen und ich darf an die Wurst. Ich darf an den ganzen Teller. Das Herz darauf interessiert mich nicht. Gar nicht. Eine Wurst schnappe ich mir und spiele sie erstmal tot. Eine große Freude. Eine ganze Wurst nur für mich und ohne Gegenleistung. Ich muss niemanden finden, der verloren gegangen ist oder „Guten Tag“ sagen oder sonst was machen. Mich auf den Kopf stellen zum Beispiel. 

 

 

Überraschung!

Irgendwann geht der Schlüssel im Schloss und es kommt jemand rein. Kiki und Rainer sind beide zu Hause. Dann können es ja nur Oma und Opa sein, die mir gratulieren wollen. Richtig! Sie kommen nahezu kontaktlos und nur ganz kurz in die Wohnung. Deswegen auch mit Schlüssel, damit Kiki und Rainer ihnen im Flur nicht zu nahe kommen. Menschen dürfen sich nämlich nicht mehr näher als eineinhalb bis zwei Meter kommen. Das hat das Corona-Dings so bestimmt. Deswegen darf auch nur ich Oma und Opa richtig begrüßen, weil man denkt, dass Hunde das Corona-Dings nicht übertragen können.  Von Oma und Opa bekomme ich einen Hund. Damit er nicht sofort in seine Einzelteile zerfällt, bekomme ich ihn nur in kleinen bewachten Zeiten. 

Hier kann man das Herz besser sehen. Beziehungsweise das Herz im Herz. Meine Kiki häkelt Herzen und Blumen. Das mit der Kontaktbeschränkung muss aufhören! Das mit dem Corona-Dings muss aufhören! Wer weiß, was sie als nächstes häkelt… Ok, sie hat auch viele Masken genäht und der neueste Schrei sind ja ihre Handytaschen. Aber Herzen häkeln? Blumen häkeln? Wer soll die alle bekommen? 

 

Wanderung!

Am Nachmittag machen wir eine kleine Tour im Vorgebirge. Meine Kiki hat mal so einen Wanderführer für unsere Gegend gekauft. Entweder können meine Menschen den nicht ordentlich lesen oder er ist verwirrend geschrieben. Ehrlich gesagt, ich tippe auf Ersteres. Manchmal scheint sinnesfassendes Lesen nicht so präsent zu sein, weil andere Dinge wichtiger sind. Später lesen wir in 

einem anderen Blog, dass das bei diesen Touren wohl häufiger mal der Fall sein kann, dass Lesen schwer fällt.  Das Wetter ist heute etwas aprilig und wir glauben, dass deswegen nicht so viele Menschen unterwegs sind. Eine Wanderung in der Einsamkeit ist es aber nicht. Wir starten in Alfter in der Nähe vom Schloss. Grob gesagt geht es Richtung Kamelleboom und Römerkanal. 

Den Boom haben wir nicht gesehen. Vielleicht ist er inzwischen zusammengefallen oder so. Wir kürzen die Runde ein bisschen ab und kommen statt der vorgeschlagenen dreizehn auf nur etwa neun Kilometer. Aber das reicht auch, denn abends geht die Feier noch weiter. Wir grillen. Eigentlich – da ist es wieder und da ist es wieder ganz ohne Corona – grillen nur meine Menschen und ich gucke in die Röhre. 

Habt ihr auch einen Corona-Geburtstag gefeiert? Schreibt das doch in die Kommentare. Mich würde interessieren, wie ihr ihn verbacht habt.  

©Pauli2020

0 Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Leicht verspätet: Unsere Jungfernfahrt | https://ohneumweg.de - […] schon das vierte Mal mit unserem Strada unterwegs. (Zu dem Wort eigentlich haben wir uns an anderer Stelle schon…

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ohneumweg verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen