Mein Weg in den Ruhestand

von | Feb 2, 2015 | Kiki schreibt, Mein Klassenbuch, mit 40... | 0 Kommentare

Mein Vorsatz, Prinzessin zu werden, nachdem ich alles hingeschmissen habe, hat keinen messbaren Erfolg gezeigt. Zumindest bis jetzt nicht. Ein messbarer Erfolg wäre zum Beispiel, dass ich in einem großen Schloss wohnen würde. Mit Bediensteten, die sich darum kümmern, dass der Kühlschrank immer voll und das Bett gemacht ist. Nicht jeden Morgen in die Schule fahren müsste, sondern mich auf irgendwelchen Empfängen und Wohltätigkeitsveranstaltung herumtreiben würde (nur für die, die fragen, wie man den Erfolg messen könnte). Dabei kann ich es niemandem vorwerfen, dass das mit der Prinzessin daneben gegangen ist. Außer mir selbst. Hier hätte ich bei anderen Entscheidungen die Weichen richtig stellen müssen. Bei meiner Partnerwahl zum Beispiel. In meinem damals ja auch nicht mehr ganz jugendlichen Leichtsinn aber dafür um so mehr mit rosaroter Brille bewaffnet, wäre es von Vorteil gewesen, wenn ich darauf geachtet hätte, dass der Auserwählte einen Adelstitel trägt und mich damit in den Stand der Prinzessin erhebt. Weit gefehlt. Ganz weit. Zumindest was die Prinzessin betrifft. Ansonsten sehr gute Wahl! Den Ausdruck “Prinzessin ehrenhalber” habe ich noch nicht gehört. Und dann stellt sich hier ja auch die Frage, ob diese Prinzessinnen nicht dem verarmten Adel angehören, für ihren Lebensunterhalt sorgen und nebenbei noch die gesellschaftlichen Pflichten wahrnehmen müssen. Diese Doppelbelastung meine ich nicht, wenn ich davon spreche, Prinzessin werden zu wollen. Vielleicht habe ich mich aber auch viel zu spät darum gekümmert. Kurz nach dem Abitur wäre der Zeitpunkt gewesen, die richtigen Kontakte zu knüpfen, vielleicht auch zu Königshäusern in aller Welt. Kurz und knapp kann ich sagen: einfach nicht darauf geachtet.

Hier muss ich nun andere Wege finden. Schön ist es zu sehen, dass auch andere Menschen und ganze Verbände sich um mich kümmern. Nach noch nicht einmal zwanzig Dienstjahren und mit Anfang 40 (ich habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft!), fand ich vor einiger Zeit auf meinem Platz im Lehrerzimmer folgendes Schreiben von einem Lehrerverband: Beratungshotline für Lehrerinnen und Lehrer – Der Weg in den Ruhestand …

Diese Mitteilung hatte ich schon im letzten Jahr von einem Mitglied des Lehrerrats in die Hand gedrückt bekommen: “Ist das was für dich?” Ich muss zugeben, dass ich schon ein bisschen verwirrt war. In diesem Zustand habe ich das Schreiben in die unorganisierte und sich immer wieder selbst erstellende Ablage auf meinem kleinen Areal im Lehrerzimmer gelegt. Jeder Lehrer hat dort etwa einen halben Quadratmeter Fläche für sich und seine Sachen. Dabei muss man sehr sorgfältig auswählen, welche Dinge so wichtig sind, dass sie in unmittelbarer Reichweite stehen. Nach oben – also in den Raum hinein – ist keine Begrenzung angegeben, was dazu führt, dass manche Kollegen geneigt sind, Türme zu bauen. Türme. Vielleicht lebt in diesen Türmen auch versteckt eine Prinzessin… Doch nun zurück in die Wirklichkeit. Ist Ruhestand der einzige Ausweg? Das erscheint weit weg und unrealistisch. Dann bin ich alt. 67 Jahre. Da erscheint mir das Krönchen realistischer – zumindest in meinem Kopf.

©KS2015

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