Früher waren wir ganz nah dran…

von | Jan 31, 2018 | Kiki schreibt | 0 Kommentare

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… am Paradies. Hin und wieder wieder nach dem Mittagessen hatten wir die Chance, das Paradies zu kosten. Süß. leicht, in wunderbar dezenten Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Erdbeere oder Himbeere. Es war gar nicht so leicht, die Tüte in der Packung zu öffnen. Häufig gelangte einfach ein Teil des kostbaren Paradiespulvers zwischen Tüte und Pappschachtel. Ein bisschen Milch und der Inhalt der Tüte in einer Schüssel mit einem Schneebesen vermischen und am besten sofort genießen. So verordnete es der Doktor. Eines Mittags war ich an der Reihe und durfte den paradiesischen Nachtisch bereiten. Ich sehe mich noch genau in der Küche stehen und genau nach Packungsanweisung arbeiten. Um wirklich sicher zu gehen, dass der Nachtisch auch den familiären Ansprüchen genügt, habe ich ihn mehrmals probiert. Der Geschmack hätte sich nach der einen oder anderen Umdrehung ändern können. Und ich wollte auf keinen Fall für eine Geschmacksverwirrung verantwortlich sein. Während meine Mutter sich um das Hauptgericht kümmerte, widmete ich mich mit ganzer Hingabe dem Dessert. Ein bisschen rühren und dann ein kleiner Test. Was bleibt noch zu sagen? Die Zeit der Zubereitung des Hauptgerichts war antiproportional zur Füllmenge der Nachspeise. Als ich die Himbeercreme servieren sollte, konnte ich nur noch einen kleinen Rest in der Schüssel aufweisen, den sich jetzt meine Mutter und meine drei Geschwister teilen durften. Und es kurz zu machen: Sie waren not amused. Von der Nachspeise bekam ich nichts ab!

An einem sonst ereignislosen dafür aber regenreichen Samstag kommt mir genau diese Geschichte wieder in den Sinn. Gegen Abend gibt es kein Halten mehr und wir nehmen uns den nächsten Supermarkt vor, getarnt als Paulirunde. Keine Geschmacksrichtung Himbeer im Sortiment. Ich schiebe es auf die Größe des Marktes und kann Rainer überzeugen, den nächsten Markt auch noch aufzusuchen. Auch hier das gleiche ernüchternde Ergebnis. Warum wurde die beste Geschmacksrichtung aus dem Programm genommen? Sind die Farbstoffe verboten? EU-Verordnung? Oder einfach nur abgewählt? Daher entscheide ich mich für Zitrone. Zumindest eine kleine Erinnerung an paradiesische Zustände. Beim Rühren fällt mir auch sofort wieder ein, warum ich die Speise damals nahezu leerprobiert habe. Das Rühren ist ziemlich anstrengend und heute war der Drang, zwischendurch zu kosten ebenso da, wie vor etwa 25 Jahren. Heute kann ich der Versuchung aber widerstehen. Schade, denn dann wäre mir die zweite Ernüchterung erspart geblieben. Die müssen die Rezeptur geändert haben! Heute bin ich not amused…

©KS2108

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