Eine neue Frisur

von | Feb 23, 2015 | Kiki schreibt, mit 40... | 0 Kommentare

Wenn andere Frauen davon schwärmen, einen Nachmittag beim Frisör zu verbringen und es als absolute Entspannung zu empfinden, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Solche Besuche sind für mich – wenn auch hin und wieder dringend nötig – der absolute Stress. Daher habe ich in den meisten Fällen auch Frisuren, die es nicht nötig haben, häufig diese Etablissements zu betreten. Vor meinem letzten Besuch, der gestern stattfand, war es allerdings nötig. Und für meine Begriffe auch ungeheuer nötig. Mein Haar – von Natur eher dünn, fein und wenig – hatte eine Länge angenommen, die ich nicht mehr ertragen konnte. Ganz plötzlich und unerwartet. Unter den vielen Vorschlägen, die Frisöre in der Theorie, also Internet, so bieten können, suchte ich mir schon vor einigen Tagen drei Wunschfrisuren aus und ging damit zu dem Frisörladen meines Vertrauens. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt. Vor jedem Spiegel saß eine Frau, die sichtlich entspannte bei Föhn- und Haubengeräuschen, dem penetranten Geruch der Haarfärbemittel und Festiger und den Gesprächen am Nachbartisch, die man unweigerlich mitanhören muss. Namentlich bekannt war ich hier nicht und falls sie es sich an diesem Tag vorgenommen hatten, sich meinen Namen zu merken, wäre es vergebene Mühe gewesen. Die Frage „Was machen wir denn heute?“ ließ mich ein wenig stutzig werden. Wir? Ich dachte sie! Dennoch zeigte ich der mir zugeteilten Frisörin die drei Schnitte, die ich mir in meinem Leichtsinn ausgesucht hatte. Sie schüttelte nur den Kopf. Dabei nahm sie eine hintere Haarsträhne in die Hand. Eine Stufe im Hinterkopfbereich, das würde nicht gehen. Das sähe zu fransig aus. Man könne aber die Frisur etwas abändern und dann sähe es fast so aus wie auf dem Bild. Im Vertrauen darauf, dass sie ihren Job versteht, ging ich das Wagnis ein. Zur Vorsicht gab ich noch zu bedenken, dass die Frisur nicht zu langweilig aussehen soll. Man kann ja nie wissen. Das verneinte die Angesprochene. Dafür käme ja vorne eine Stufe hinein. Gut. Oder vielleicht eher nicht. Während sie so an mit herumschnippelte, wuchs meine Skepsis immer mehr. Nach der ersten Runde waren mir die Haare noch ein bisschen zu lang und ich bat sie, noch einen Zentimeter zu kürzen. Richtig begeistert war sie nicht. Jetzt musste sie noch mal ran. Vielleicht war die Länge aber auch völlig in Ordnung und ich wollte einfach nur noch ein bisschen von meinem Kopf durchsetzen. Genau kann ich das jetzt gar nicht mehr sagen. Am Ende sollte ich mich selbst föhnen. Das kann im Programm so vorgesehen sein. Bisher habe ich es aber so erlebt, dass man es angeboten bekommt. Gestern hatte ich zum Föhnen aber keine Lust und bat sie es selbst zu tun. Außerdem wollte ich sehen, was sie aus dem Schnitt so rausholt. Gar nichts! Mein neuer Haarschnitt hatte nicht im entferntesten Ähnlichkeit mit einem der Schnitte auf den Bildern. Während diese eher etwas flippig aussahen, schaute mich ein eher verunglückter Pagenkopf an. Alle Haare fein säuberlich nach innen geföhnt. In meiner Kindheit hatte man mir auch häufiger diesen Schnitt verpasst, allerdings sah er damals pfiffiger aus. Meine Verwirrtheit schien sie zu bemerken, denn die nahm ein Strähne und steckte sie hinter eines meiner Ohren. Das könne ich ja häufiger machen. Ahja… Hinters Ohr damit und dann wird alles gut. Das muss ich mir merken. Passt dann ja auch für sämtliche Lebenslagen.

©KS2015

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