Ein Traum in Weiß – für einen Tag

von | Jan 26, 2015 | Kiki schreibt, mit 40... | 0 Kommentare

Lange bereiten wir uns auf diesen besonderen Tag vor. Entsprechende Anschaffungen werden gemacht – Kleidung muss schon passen – und Termine eventuell verschoben oder abgeändert. Lebensmittel in ausgewählter Form eingekauft. Sogar das richtige Auto muss ausgesucht werden. Der Tag kann nicht mit jedem Fahrzeug bestritten werden. Tage vorher gibt es kaum ein anderes Gesprächsthema. Das Internet wird nach weiteren Informationen zu diesem Tag durchforstet. So bleibt leider jeder Überraschungsmoment aus. Episoden anderer Menschen gelesen und auf die eigene mögliche Situation angepasst. Wenn-Dann-Konstellationen aufgestellt. Dem Zufall wollen wir hier nichts überlassen. Dafür ist der Tag zu wertvoll. Gespräche können sich hinziehen. Jeder kann Erfahrungen zu diesem Thema zum Besten geben. Positive und negative Erlebnisse gegeneinander abgewägt und eigene Schlussfolgerungen gezogen. Schließlich soll der eigene Tag perfekt sein. So etwas haben wir nicht alle Tage. Der Tag wird durchaus kontrovers diskutiert. Die Spanne reicht von Kaum-Erwarten-Können bist Bleib-Mir-Nur-Weg-Damit. Die letztere Gruppe von Menschen kann den schon beschriebenen Hype absolut nicht nachvollziehen. Vor allem will sie es auch nicht. Sie stellt sich stur. Manche begegnen dem Tag auch mit Angst. Es ist alles so anders. Für viele Menschen vollkommen ungewohnt. Skepsis macht sich breit und man ist froh, wenn es vorüber ist. Und das, wo er doch so viel Schönes bietet. Für einen Tag sind wir in einer völlig anderen Welt.

Dann ist er endlich da. Mit einem kleinen bisschen Verspätung geht es los. Das ist so üblich. Aussprüche der Verzückung sind beim Anblick zu hören und für einen Moment steht alles still. Allenfalls ist Zeitlupe dreht sich die Welt weiter. Im nächsten Augenblick ist aber schon alles vorüber. Das ist im Rheinland so Sitte. Der erste Hund zieht mit seiner Schnauze durch die eben noch jungfräuliche Schneedecke. Durch gezielte Sprünge schafft er es, den schlammigen Boden und das schüttere Wintergras sichtbar zu machen. Kaum ist er verschwunden, fallen die Kinder ein. Der Schnee wird zusammengekratzt und zu riesigen Kugeln aufgerollt. So hat am in den nächsten Tagen noch eine Erinnerung an diesen besonderen Tag. Eile ist geboten, denn die Zeit ist begrenzt. Am nächsten Tag wird es wieder wärmer und alles ist vorbei. Der Traum wird von der nasskalten-schmuddelig-graubraunen Winterrealität abgelöst.

©KS2015

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