Ausgeknockt

von | Apr 15, 2020 | ohneumweg-zuHause | 0 Kommentare

Der Artikel enthält unbezahlte Werbung, da Namen genannt werden.

Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation: die ganze Welt ist im Coronafieber. Das öffentliche Leben ist komplett herunter gefahren.Die meisten Menschen arbeiten im Homeoffice – wenn sie über Haupt noch arbeiten. Die Schulen sind seit dem 16.März geschlossen, Gottesdienste verboten. Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern schon länger untersagt. Museen, Kinos, Theater … alle kulturellen Orte sind geschlossen Restaurants, Geschäfte (außer Lebensmittel, Post, Apotheken, …) sind geschlossen. Seit dem 22. März gibt es ein Kontaktverbot. Die Zahlen der Infektionen steigen täglich, ebenso die Todesfälle, aber auch die Zahl der Genesenen wird täglich höher und übersteigt – zumindest in Deutschland noch die Zahl der Todesfälle um ein Vielfaches (am 26. März noch um mehr als ein 17-faches – den Artikel werde ich über mehrere Tage schreiben, mal sehen, bei welchen Zahlen wir am Ende stehen…). 

Dieses Virus, das zuerst nur in China sein Unwesen getrieben hat, breitet sich mit großem Eifer und unverminderter Härte über die ganze Welt aus und bringt gerade für alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen den Tod. China schien Ende des letzten Jahres weit weg. Ist es ja auch! Dass wir drei Monate später in unserem Leben derart eingeschränkt sind und alle Planungen für 2020 über den Haufen werfen, hätte sich wahrscheinlich niemand vorgestellt. Besonders hart ist im Moment Italien und Frankreich betroffen. Sie beklagen sehr viele Tote. Für Großbritannien erwartet man eine Katastrophe – für die USA auch, wenn sie nach Ostern wieder zur Normalität übergehen und die Wirtschaft wieder starten.

Gerade in Deutschland entwickelt sich die Menschheit merkwürdig. Ich hätte nie gedacht, dass wir mal vor Geschäften in einer Schlange stehen müssen und auf Einlass warten. Auch konnte ich mir nie vorstellen, wie es ist, dass man tage- und wochenlang an leeren Regalen vorbeigeht, die sonst Klopapier enthalten. Absolute Mangelware! In vielen Geschäften sind Nudeln, Mehl und andere Produkte, die man lange aufbewahren kann rationiert. Die Abgabe erfolgt nur in haushaltsüblichen Mengen und das bedeutet zwei Packungen. Die Angestellten in der Lebensmittelbranche leisten Unglaubliches. 

Wir freuen uns über die kleinen Dinge des Lebens. Bei einer Pauli-Einkaufsrunde durch unseren Ortsteil und den angrenzenden kommt uns an einem sonnigen Freitagnachmittag ein Herr mit einem großen Paket Toilettenpapier unter dem Arm entgegen. Er triumphiert und sagt, dass es im Drogeriemarkt wieder Toilettenpapier gibt. Eben sei eine Palette angekommen. Rainer stellt sich also in die Schlange, um das kostbare Gut zu erwerben. Erfolgreich!!! 

Auch unser Osternest, das wir in diesem Jahr kontaktlos bekommen, enthält ein Paket Toilettenpapier! Andere Dinge werden wichtig…

 

Aber es gibt auch schöne Seiten. Ich habe lange nach Hefe gesucht. Auch die scheint es nur noch sporadisch zu geben. Beziehungsweise, wenn ein Paket kommt, mit dem ein Geschäft normalerweise eine Woche auskommt, ist es in kurzer Zeit ausverkauft. So schnell kann man gar nicht sein.  Auf einer Plattform für Nachbarschaftshilfe hat jemand gefragt, wie man Hefe selbst machen kann. Darauf habe ich geantwortet, weil Rainer mir dazu am Abend zuvor einen Link geschickt hat. Später habe ich die Hefe auch angesetzt. Die fragende Frau hat dann in einem Laden Hefe gefunden, gekauft und uns ein Paket geschenkt. Menschlichkeit. Aufeinander achten. 

So stellt man lauf diversen Anleitungen Hefe her

2 Datteln, 50 g Zucker und 1 Liter Wasser werden in eine Flasche gegeben. Dabei ist es wichtig, dass die Datteln ungeschwefelt sind. Das Gebräu muss zweimal am Tag geschüttelt werden, um eine Schimmelbildung zu vermeiden. 

Oder so:

Einen halben Würfel Hefe oder ein Tütchen Trockenhefe mit 100 ml Wasser, 100 g hellem Mehl und 15 g Zucker vermischen.

Über Nacht stehen lassen und dann portionsweise einfrieren.  

Ich bin noch sehr gespannt, ob es funktioniert, denn bei der Dattelversion kann ich auch im zweiten Ansatz geruchsmäßig noch keine Reaktion feststellen. Vielleicht sind meine Datteln auch geschwefelt. Auf der Packung steht keine Information darüber. Ich bin daher davon ausgegangen, dass sie keine Sulfite enthalten. 

Die vermehrte Hefe in den Bechern ist schön aufgegangen. Jetzt werden die Brote, Kuchen und Hefezöpfe zeigen, ob es funktioniert…

Schutzkleidung für Pflegeeinrichtungen sind Mangelware. Unglaublich! Das hätte man nicht erwartet. Bisher gab es doch alles immer im Überfluss. Vorbei. Anfragen der Regierung landen in Fakes und völlig unseriösen Angeboten. Firmen in Deutschland stellen ihre Produktionen auf die Herstellung von Schutzmasken um, zumindest stellen sie den Stoff dafür her. Viele Nähereien stellen ihre Produktionen um. Zum Beispiel habe ich von einer Firma gelesen, die von Hundebetten auf Mundabdeckungen umgestiegen ist. Auch ich habe meine Näharbeiten für unseren La Strada erstmal unterbrochen. Mit Helfern aus der Nachbarschaft nähe ich Mundabdeckungen. Einige nähen, andere waschen und bügeln, ein Stoffgeschäft spendet Material… Wobei ich mich hier immer mehr frage: Warum spenden? Wenn Deutschland etwas hat, ist es Geld! 

Nicht gewohnt sind wir auch daran, dass wir lange auf Lieferungen warten müssen. Heute bestellen, morgen oder spätestens übermorgen empfangen. Die Zeiten sind im Moment nicht mehr. Heute bestellen und irgendwann empfangen. Die Onlinehändler scheinen hoffnungslos überfordert und natürlich steht hier auch der Mitarbeiterschutz an erster Stelle. Die Zustellerfirmen reduzieren aus Sicherheitsgründen ihr Personal in den Schichten. So warten wir auf die Handcreme, die unsere vom häufigen Waschen aufgerauten Hände wieder herstellen soll. Wir warten auf das Material für die Mundabdeckungen. Und ja, wir warten auch auf Luxusartikel… 

Medikamente werden knapp. Nicht nur die, die in den Krankenhäusern gebraucht  werden, sondern auch die, die wir in Apotheken kaufen können. Bestimmte Schmerzmittel sind in vielen Apotheken ausverkauft und auch Schilddrüsenpräparate. An der Stelle werde ich nervös. Turnusmäßig muss ich mir sowieso ein Rezept für eine neue Packung meines Medikaments bestellen. Das ist aber neu: ich lasse mir die Tabletten in meiner Stammapotheke schon mal zurücklegen und hole sie dann ab, wenn das Rezept da ist. Glücklicherweise ist noch ein Paket vorrätig.

Und so sieht das dann auch, wenn eine sechsköpfige Familie für wenige Tage Quarantäne versorgt wird.

Sehr merkwürdig finde ich Folgendes – und das weiß ich aus erster Hand:

Selbst Pflegepersonal in Kliniken muss bei eindeutigen Symptomen um einen Test auf Covid-19 betteln! Zwei Anläufe braucht die inzwischen positiv getestete Person – Mitarbeiterin eines deutschen Klinikums. Nach dem Auftreten der ersten Symptome in der Familie setzt sie sich pflichtbewusst mit der entsprechenden Stelle in Verbindung. Da die symptomtragende Person keinen Kontakt zu infizierten Menschen hatte und sich auch nicht in einem Risikogebiet aufgehalten hat, wird die Erkrankung als normaler Infekt abgetan und die Mitarbeiterin wird angewiesen zur Arbeit zu kommen. Dass im weiteren Umfeld positiv getestete Menschen waren, ist nicht von Bedeutung. Am Abend hat sie selbst Symptome und wird krank geschrieben – ohne Test. Im Laufe der Zeit wird die ganze Familie krank. Ein Familienmitglied zeigt stärkere Symptome und daher dann wieder der Wunsch nach einem Test. Das Betteln nach einem Test. Endlich gibt man nach. Positiv! Allerdings wird nur ein Test in der Familie gemacht. Alle anderen (wir sprechen hier von fünf weiteren Personen!) verschwinden in der Dunkelziffer. Und das bedeutet zunächst 28 Tage Quarantäne für sechs Personen in einer Wohnung.

 

 

Ich bin am Ende meines Artikels angekommen. Das Ende der Pandemie ist noch nicht in Sicht. Inzwischen ist das Virus längst auch in den Pflegeheimen angekommen und das, was man unbedingt vermeiden wollte, geschieht. Viele Bewohner sterben.

Heute wurde beschlossen, wie es nach den Osterferien weitergeht. Wir haben uns in Deutschland weitgehend gut benommen. Haben uns an die Anweisungen gehalten und sind schön auf Abstand geblieben. Deswegen wird es folgende Änderungen für unser Leben geben: Geschäfte dürfen unter bestimmten Auflagen am kommenden Montag wieder öffnen. Die Schule startet am 4. Mai schrittweise mit besonderen Konzepten, die Kontaktbeschränkung dauert noch bis zum 3. Mai, Großveranstaltungen sind noch bis zum 31. August untersagt. 

Was bleibt?

Neben allen Unterstützungen für Menschen in Not kann ich eigentlich nur noch beten. 

…. für die Pflegekräfte und Ärzte

… für die Politiker – weltweit und unsere in Deutschland. Dafür, dass sie zum Wohl ihrer Völker entscheiden. Gleichzeitig können wir hier dankbar sein, dass wir Politiker haben, denen wir hier nicht egal sind. Da gibt es Beispiele aus anderen Ländern.

… für die vielen alten Menschen, die jetzt alleine sind – zu Hause oder in den Pflegeheimen

… für die Angestellten in den Lebensmittelgeschäften, Apotheken und anderen Läden, die noch geöffnet haben dürfen und „Laden hier am Laufen halten“

… für die Menschen, die in Kurzarbeit gehen und ihre Existenz schwinden sehen

… für die Menschen mit Vorerkrankungen, die besondere Angst vor einer Infektion haben

… für die Wissenschaft und Forschung – möge sie schnell einen Impfstoff finden

… die Liste kann fortgesetzt werden, sie ist garantiert nicht vollständig

©KS2020

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