Sachlich und rechnerisch richtig

von | Feb 28, 2018 | Bonn, Kiki schreibt | 0 Kommentare

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Für die einen ist es ein Prestigeobjekt, das unsere Stadt reicher, vollkommener und weltbedeutender macht. Für die anderen ist es ein Dorn im Auge. Das World Conference Center Bonn – WCCB. Auf jeden Fall ein Bauwerk, das polarisiert. Sollte es doch eigentlich nach dem Wegzug der Regierung im Sommer des Jahres 1999 der verlassenen und orientierungslosen Stadt eine Perspektive geben, wird es zum Millionengrab oder um mit dem Bonner Generalanzeiger zu sprechen zur „Millionenfalle“ und kann sich zweifelsfrei in die bekannten Großprojekte der Städte Berlin, Hamburg und Stuttgart einreihen. 300 Millionen Euro hat das Center bis zu seiner Eröffnung im Jahr 2015 verschlungen, das den Bonner Bürger, den Steuerzahler, eigentlich nichts kosten sollte. Seitdem gehen die Zahlungen täglich weiter: Tilgung und Zinsen. Laut Generalanzeiger zahlt jeder Bonner Bürger 965 € für den Bau am Rhein. Im Vergleich dazu zahlt jeder Hamburger für die neue Philharmonie 440 €.

Dankenswerterweise nimmt sich das Theater Bonn unter der Leitung von Volker Lösch der Sache unter dem Titel „Bonnopoly – Das WCCB, die Stadt und ihr Ausverkauf“ an. Aufgeführt wird das Stück seit September 2017 in den Kammerspielen in Bad Godesberg. Wir besuchen die Aufführung am Karnevalsfreitag und Rainer löst damit sein Geburtstagsgeschenk ein. Man kann uns durchaus als Theaterlegastheniker bezeichnen, denn ich kann mich nicht an viele Theaterbesuche erinnern. Von unseren Plätzen im oberen Drittel haben wir einen guten Blick auf die Bühne mit einem zunächst übersichtlichen Bühnenbild. Die Szenen überzeugen durch die Mimiken, Gestiken, Standort auf der Bühne und zum Teil originalen Texten aus Ermittlungsakten um das WCCB. Das Stücken endet in einer wirklichen Schlammschlacht auf der Bühne, als es darum geht, wer die Verantwortung für das Großprojekt trägt: Stadtrat, Oberbürgermeisterin, Investor, Verwaltung, Sparkasse. Letztendlich werden der Investor und seine Berater verurteilt. Gegen andere Beteiligte werden die Verfahren eingestellt und es ist Zeit und Gelegenheit, sich neuen Aufgaben und Verantwortungen zu stellen. Pause. Das Bühnenbild hat sich komplett verändert. Wir sehen Gold. Die Stadt wird weiter vergoldet. Investoren gesucht, gefunden und Stadteigentum verkauft. Die Gürtel müssen nun enger geschnallt werden. Ziel ist eine schwarze Null, nicht das Interesse der in Bonn lebenden Menschen. Diese kommen hier im sogenannten Bürgerchor im zweiten Teil der Aufführung auch zu Wort. Hier wird zum Beispiel das Viktoriakarree oder die Reutersiedlung angesprochen.

Ein wirklich gelungenes Abendprogramm! Wir bekommen Lust auf Theater, sind auf jeden Fall infiziert und neugierig auf das, was sonst noch so angeboten wird. Auf der anderen Seite sind wir aber auch wütend über das, was in unserer Stadt passiert und für das wir unser Geld zahlen müssen. Auf der dritten Seite (wie leben ja in einem dreidimensionalen Raum) würde ich mir das WCCB schon mal von innen ansehen. Vielleicht kann man mit einem Besuch im GOP oder in der Skybar die Schulden der Stadt ein bisschen mindern und so zum Gemeinwohl beitragen…

Es bestehen keine Kooperationen mit den genannten Einrichtungen: Theater der Stadt Bonn, WCCB, GOP, Skybar. 

©KS2018

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