Eine schöne Woche Sommer

von | Jun 6, 2018 | ohneumweg-unterwegs | 1 Kommentar

Der Artikel enthält unbezahlte Werbung, da Namen genannt werden.

Samstag

 

Seit 1966 haben wir in Nordrhein-Westfalen das erste Mal eine ganze Woche Pfingstferien. Wenn ich mir diese Zeitspanne ansehe, glaube ich auch, dass es das letzte Mal sein wird, dass ich mich auf eine ganze Woche Ferien zwischen Ostern und Sommer freuen kann. Rainer konnte sich glücklicherweise diese Zeit auch frei nehmen und so steht einer Cookie-Woche nichts mehr im Weg. Für unsere Abfahrtszeit überlegen wir uns etwas ganz Besonderes. Wir stehen und fünf Uhr auf und sitzen keine zwei Stunden später abfahrbereit im Cookie. Die Straßen gehören fast uns – zumindest zu Beginn. Je später es wird, desto mehr müssen wir abgeben und teilen. Nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt kommen wir in Minden an.

 

Der Wohnmobilstellplatz Kanzlers Weide befindet sich direkt am Weserufer und bietet etwa 70 Wohnmobilen meist auf Rasengittersteinen Raum. Man hat Aussicht auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica. Über eine Fußgängerbrücke kann man die Innenstadt mit schöner Altstadt erreichen. Eine Übernachtung kostet 5 €, 120 Liter Frischwasser und 90 Liter Grauwasser je 1 €. Der Platz wird hin und wieder als Veranstaltungsort genutzt und dient gleichzeitig als Pkw-Parkplatz. Die Entsorgung von Müll ist möglich. Auf dem Platz wie in der Innenstadt gibt es kostenfreies WLAN.

 

Schon bei unserer Ankunft sehen wir einen weiteren Cookie und nehmen gegenseitig Kontakt auf. Nach einem kleinen Gang durch die Stadt haben wir unser ganz privates James-Cook-Treffen.
Sonntag
Es geht weiter nach Jork. Allerdings nicht so früh wie am Tag zuvor. Wir lassen es ruhig und gemütlich angehen. Nach knapp vier Stunden Fahrt kommen wir kurz nach zwei in Jork an. Schon vom Durchfahren sind wir von der Gegend begeistert. Es wirkt alles sehr ruhig und gemütlich. Unterwegs kommen wir an mehreren Häusern und Höfen vorbei, die den Namen Hauschildt tragen. Sofort kommen Erinnerungen an meine Kindheit in Cuxhaven in meinen Kopf. Unser örtliches Lebensmittelgeschäft trug ebenfalls diesen Namen. Eines Tages wurde ich geschickt, um mir ein Schulheft zu kaufen. Von meiner Mutter bekam ich 50 Pfennig mit. Das Regal mit den Schulheften war schnell gefunden. Eins kostete 25 Pfennig. Der Preis stimmte mit meinem 50 Pfennig nicht überein. Das sah ich sofort. Die Bazooka-Joe-Kaugummis jedoch kosteten genau 50 Pfennig. Für mich ein guter Grund nach Ihnen zu greifen und das Heft da zu lassen, wo es lag. Meine Mutter war nicht amüsiert. Wie ich zu meinem Heft kam, weiß ich nicht mehr. Und ob ich die Kaugummis behalten durfte, kann ich auch nicht mehr sagen.

 

Unser Stellplatz „Stubbes Gasthaus“ liegt etwas außerhalb von Jork – westlich. Er lief direkt hinter dem Elbdeich und ist zweigeteilt. Vor dem Restaurant sind sieben Stellplätze ohne Strom, hinter dem Restaurant befinden sich weitere sieben Plätze mit der Möglichkeit Strom zu nutzen. Dort befindet sich auch ein ganz neues Sanitärhaus. Leider gibt es keine Möglichkeit, Wasser zu tanken oder dieses zu entsorgen. Ganz zu schweigen von der Toilette. Eine Nacht kostet 10 €. Für Strom zahlen wir 4 €. Das Restaurant schließt um 20 Uhr, daher kann man ab dieser Uhrzeit mit Ruhe rechnen. Es wird auch WLAN angeboten, das allerdings zu unserer Zeit defekt ist.
Unser Platz ist der letzte in auf einer etwas spitz zulaufenden Wiese, unterhalb der Zufahrt zum Restaurant gelegen. Es ist eine Kunst für sich, dort hinein zu fahren. Aber Rainer macht das schon, trotz meiner Einweisungskünste. Ich hätte ihn so gelotst, dass wir mit der Schiebetür direkt zum Hang stehen. Glücklicherweise kommen mir unsere neuen Nachbarn – für eine Nacht – zu Hilfe. Am nächsten Tag dürfen wir auf den Platz mit Strom umziehen.

 

Nachdem wir endlich richtig stehen, machen wir uns auf eine kleine Erkundungstour. Unser Platz liegt auf einer Halbinsel, die von der Lühe ringförmig eingeschlossen ist. Diesen Ring gehen wir entlang, bis wir wieder bei Stubbe landen und dort Kaffee und Kuchen zu uns nehmen.
Montag

 

Bevor wir uns heute mit den Rädern auf den Weg machen, ziehen wir um. Wir bekommen einen Stellplatz mit Strom. Und ich würde sogar sagen, wir bekommen den schönsten Platz auf dem Areal. Nach dem Umzug machen wir uns mit dem Rad auf den Weg. Es geht über Steinkirchen, Mittelkirchen, Jork, Königreich und Estebrügge nach Buxtehude. Zurück fahren wir über Cranz – der Ort gehört schon zu Hamburg. Einen Teil des Rückweges fahren wir auf dem Deich entlang. Diesen müssen wir aber zugunsten einer Justizvollzugsanstalt verlassen.
Dienstag

 

Heute steht Hamburg auf dem Programm. Die Fahrt dorthin gestalten wir wie folgt: mit dem Fahrrad geht es von Grünendeich bis zum Estesperrwerk nach Cranz. Die Strecke ist etwa 14 Kilometer lang. Wir fahren gemütlich und brauchen eine knappe Stunde. Dort gibt es eine Möglichkeit, die Räder anzuschließen. Ein bisschen mulmig ist mir bei dem Gedanken, aber Nichtnutzen ist auch keine Lösung. Wir befinden uns jetzt schon im Bereich der Hamburger Verkehrsbetriebe, was gleich zwei Vorteile bietet. Erstens fahren die Busse in einer recht hohen Taktzahl und zweitens können wir ein Gruppen-Tagesticket für 12 € kaufen, mit dem wir sämtliche Verkehrsmittel nutzenkönnen: Bus, U-und S-Bahn und Fähre. Hunde sind kostenfrei und haben auch keine Maulkorbpflicht – zumindest die, die nicht zu den Listenhunden gehören. In Finkenwerder steigen wir in eine Fähre um und verlassen diese wieder am Fischmarkt in Altona. Entlang der Elbe laufen wir bis zu den Landungsbrücken und schlagen uns von dort in Richtung Speicherstadt. Das Wetter ist fantastisch! Strahlend blauer Himmel und angenehm warm.
Von der Speicherstadt aus geht es Richtung Rathaus, Jungfernstieg und Mönckebergstraße. Später am Tag treffen wir Nico, einen ehemaligen Arbeitskollegen von Rainer, den es in den Norden verschlagen hat.
Auf unserem Weg aus der Stadt hinaus nehmen wir ein kleines Stück die U-Bahn, in St. Pauli verlassen wir diese und gehen zu Fuß zu den Landungsbrücken. Alles nur für ein Foto!
Unser Abendessen nehmen wir in Övelgonne bei Hoppe zu uns. Es gibt Hamburger Pannfisch und Rotbier. Wir sind begeistert. Auch von den alten Schiffen, die im Museumshafen liegen. Beim Essen planen wir unsere Vorhaben. Es soll am nächsten Tag zu meinem Bruder und seiner Familie nach Tornesch gehen. Die Rückfahrt verläuft gut, unsere Räder sind am abgestellten Ort noch vorzufinden und wir radeln nach der Ankunft mit dem Bus am Sperrwerk dem Sonnenuntergang entgegen.
Mittwoch

 

Nach dem Frühstück brechen wir auf. Von einem ortskundigen Camper bekommen wir den Tipp, von Wischhafen die Fähre nach Glückstadt zu nehmen. Eine schöne Idee. Leider erst viel zu spät kommen wir auf die Idee, uns die Webseite der Fährgesellschaft genauer anzusehen. Wartezeiten von einer Stunde und mehr sind angegeben. Das ist nichts für uns. Wir schlendern in der Hoffnung auf eine Verringerung ein bisschen durch Freiburg, aber auch nur, um festzustellen, dass die Wartezeiten sich erhöhen. Eineinhalb Stunden. Kurzerhand fahren wir die Strecke wieder zurück und nutzen den Elbtunnel. Jetzt haben wir wenigstens die Möglichkeit, die Hamburger Hafenanlage zu bestaunen.

 

Erst einmal geht es nach Wedel zur Schiffbegrüßungsanlage Willkomm-Höft. Vom Fährhaus Schulau aus, wo wir hochpreisig zwei Radler zu uns nehmen, wird jedes Schiff, das in den Hamburger Hafen einläuft oder ihn verlässt begrüßt beziehungsweise verabschiedet. Dazu wird Hymne des Landes abgespielt, für das der Dampfer unterwegs ist. Außerdem werden Flaggen gehisst und einige Daten des Schiffes genannt. Besonders zu erwähnen ist die Tatsache, dass da wirklich jemand sitzt, der über Webcams die ankommenden Schiffe sieht, die Informationen dazu raussucht und die Texte live spricht. Sehr beeindruckend. Während wir da sind, werden drei wirklich große Schiffe verabschiedet.

 

In Tornesch werden wir von unseren beiden Nichten und dem Neffen schon an der Kreuzung vor ihrem Zuhause stürmisch begrüßt.
Donnerstag
Es geht wieder in den Süden. Bei Abfahrt haben wir noch strahlenden Sonnenschein. Bei unserer Ankunft in Einbeck regnet es teilweise wie aus Eimern. Kurz danach hört es aber auf und wir können uns auf den Weg in die historische Altstadt machen.
Das Schöne an Einbeck sind die kurzen Wege. So können wir uns zuerst einen Überblick verschaffen und dann irgendwo einkehren. Eigentlich sind wir auf der Suche nach einem Biergarten, in dem das ansässige Bier direkt vom Erzeuger ausgeschenkt wird. Nichts zu finden, es bleibt nur der Marktplatz. Hier sitzt man nicht schlecht.
Der Wohnmobilstellplatz in Einbeck liegt relativ nahe an der Innenstadt an einem Schwimmbad. Der Platz ist zu einem großen Teil geschottert und nicht besonders schön angelegt. Für eine Übernachtung zahlen wir 5 €. Die Parktickets kann man im Schwimmbad an einem Automaten ziehen. Es gibt die Möglichkeit der Ver- und Entsorgung (Abwasser und Toilette für je 1 €). 60 Liter Frischwasser kosten 1 € und 1 kWh Strom 0,50 €.
Freitag

 

Die letzte Station unserer Reise ist Marburg. Wir besuchen nochmals Verwandte: meine Eltern und meinen anderen Bruder. Eben dieser hat zu seinem 40. Geburtstag eingeladen und das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Wie gewohnt stehen wir auf der Einfahrt des Hauses von meinem Bruder. Marburg erwartet uns ungewohnt warm. Ich behaupte mal, dass ich das so noch nicht erlebt habe. Aber so wird unsere Reise durch das Sommerferiengefühl abgerundet. Und wir können uns auf die letzten sieben Wochen bis zu den nächsten Ferien konzentrieren.
Eine schöne Woche Sommer liegt hinter uns: vielseitig, abwechslungsreich und einfach wunderschön! Sehr dankbar sind wir für die Bewahrung auf unseren Fahrten und freuen uns auf die nächsten Touren. Unglaublich, dass jetzt kein langes Wochenende mehr kommt…

 

Eure Kiki, Rainer und Pauli

©KS2018

1 Kommentar

  1. Ein schöner Bericht! Man kann sich gut in eure Tour hineinversetzen :) LG

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